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Frankreich JUZ 4Letzte Woche fuhren einige unserer Schüler der 10. Klassen mit dem Jugendzentrum Traunreut nach Lothringen um dort gemeinsam mit französischen Jugendlichen Schützengräben des Ersten Weltkriegs zu restaurieren. Wie in den vergangenen drei Jahren vertauschten zehn Zehntklässler des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums die Schulbank mit Schaufel und Spitzhacke um in St. Baussant, in der Nähe von Verdun, zu arbeiten.

Abfahrt war am Sonntag früh am Bahnhof Traunreut; Ankunft gegen sieben Uhr abends in Metz. Nach einer kurzen Busfahrt nach Thiaucourt wurden die sechs Mädchen und vier Jungs auf Gastfamilien verteilt, deren Kinder auch am Chantier teilnahmen. Da in Frankreich schon seit fast einem Monat Sommerferien sind, werden als Ferienprogramm für Jugendliche sogenannte Chantiers angeboten, bei denen Jugendliche freiwillig verschiedenen Organisationen bei gemeinnützigen Arbeiten helfen; die Arbeit zur Restaurierung der Schützengräben geht mittlerweile ins 13. Jahr (das dritte Jahr mit deutscher Beteiligung) und wird von der ALHIMIC, der militärhistorischen Gesellschaft Elsaß-Lothringens geleitet.

Vor der Arbeit stand aber noch die Entspannung. Den Sonntag verbrachten alle, Jugendliche und Familien, am nahegelegenen Lac de Madine, bevor es am Montag zu den Schützengräben ging. Am ersten Tag werden immer die Wege und die Gräben in der Anlage, die komplett im Wald liegt, gereinigt und freigelegt. Am Nachmittag startete dann die eigentliche Arbeit. Die Jugendlichen wurden in drei deutsch-französische Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe restaurierte einen Teil der Schützengräben, d.h. die Mauer wurde komplett freigelegt und restauriert. Der etwa 20 Meter lange Abschnitt wurde mit den Originalsteinen wieder hergestellt. „Ich dachte nicht, dass ich soviel Zeit in der Woche mit der Schubkarre verbringen würde“, so Leo Hintz, der selbsternannte „König der Arbeiter“, der in der Gruppe mit Jean-Pascale in diesem Bereiche die ganze Woche arbeitete. Schließlich mussten dort immer wieder neue Steine und Mörtel und Zement geholt werden. Die wichtigsten neuen französischen Wörter, die die Jugendlichen in dieser Gruppe lernten hießen „flache Steine“, „Schubkarre“ und „Mörtel.“

Die zweite Gruppe legte einen neuen Abschnitt der Schützengräben frei. Irgendwann soll einmal ein kompletter, zusamenhängender Teil des jetzt schon beeindruckenden Mahnmals restauriert sein. Hier konnte man auch zum Teil noch Gebrauchsmaterial aus dem Ersten Weltkrieg unter dem Schutt finden. Natürlich ist das Ausheben aber ungefährlich; es gibt dort weder gefährliche Sprengkörper noch funktionsfähige Munition. Unter der Anleitung von Maxime Segard, der für eine strenge Disziplin sorgte, lernten die Jugendlichen schon bis Montagabend die neuen französischen Wörter „Spitzhacke“ und „Schaufel.“

Eine dritte Gruppe drehte einen Film über das Chantier. Gemeinsam mit zwei Journalisten aus Paris arbeitete eine deutsch-französische Gruppe jeden Tag ein oder zwei Stunden an Interviews, Kamerafahrten und an der Vertonung des Films. Hier stand neben der aktuellen Arbeit auch das Geschichtsbild und das Gedenken an den Ersten Weltkrieg im Fokus. „Durch die Arbeit am Film haben wir ganz neue Einblicke in die französische Mentalität gewonnen“, so Natalie Kollmann, die beim Filmdreh immer in der ersten Reihe stand. Wer Interesse an dem in französischer Sprache gedrehten Film hat, kann gerne im Jugendzentrum Traunreut vorbeikommen und ihn anschauen.

Neben der Arbeit gab es auch ein von den französischen Partnern vorbereitetes Rahmenprogramm. „Für uns steht die Jugendbegegnung im Vordergrund“, so Christian Cratz, der Organisator auf französischer Seite. „Natürlich ist es schön, dass nebenbei ein so beeindruckendes Mahnmal entsteht. Aber unser wichtigstes Anliegen ist die Pflege der deutsch-französischen Freundschaft.“ Highlight der Woche war natürlich der französische Nationalfeiertag, in den in Essey et Maizerais hineingefeiert wurde. Bei dem großen Fest mit Abendessen, DJ und Feuerwerk stand für die Traunreuter Jugendlichen die Feierkultur der Franzosen auf dem Stundenplan, was, so die einhellige Meinung, auch gerne Pflichtfach in der Oberstufe werden könnte.

Am nächsten Morgen ging es dann ins Militärmuseum Thiaucourt, bei dem vor allem das Andenken an den Ersten Weltkrieg gepflegt wird und am Nachmittag dann auf den Butte de Montsec, ein amerikanisches Kriegerdenkmal, das an die dortige Schlacht im September 1918 erinnert. Das Kriegsdenkmal liegt auf einem 377 Meter hohen Berg, bei dem man die ganze Umgebung überblicken kann. „Ich finde es wichtig, dass die Jugendlichen auch einen Überblick über das Kriegsgeschehen des Ersten Weltkriegs erhalten. Neben den Schützengräben ist das gerade auch die Alltagsgeschichte des Militärs sowie Orte wie der Butte de Montsec, an denen wichtige Schlachten geschlagen wurden.“ Philippe Dourthe ist Präsident der ALHIMIC und leitete persönlich die Freiwilligenarbeit der Jugendlichen. Bei der amerikanischen Offensive zwischen dem 12. und dem 16. September 1918 am Butte de Montsec wurden etwas mehr als 10.000 deutsche Soldaten gefangengenommen; die Schlacht gilt als wichtiger Meilenstein des ersten Weltkrieges.

Nachdem ein Teil der Jugendlichen auch wieder aus dem Nationalfeiertag herausfeierte, besuchten am Mittwoch dann etwa 1000 Radfahrer die Gedenkstätte, an der die Jugendlichen arbeiteten; hatte doch die Organisation der touristischen Radfahrer Frankreichs während dieser Woche ihr jährliches Treffen in Pont-à-Mousson und besuchten die Schützengräben von St. Baussant als Teil ihres Programms auf. Am Abend hatten die französischen Betreuer am Mittwoch einem Kochwettbewerb vorbereitet, bei dem die deutsch-französische Gruppe um Alena Seehuber und Franziska Arnold durch ihre nahezu perfekte Apfeltarte sich den Sieg sichern konnte.

Donnerstag ging es dann für einen Teil der Gruppe nach Nancy, um dort die Innenstadt mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Place Stanislaw zu besichtigen.

Nachdem am Freitag alle Arbeiten fertiggestellt waren, begutachteten Verteter der ALHIMIC, der Gemeindeverwaltung, die Familien der Jugendlichen und weitere Interessierte, was die Jugendlichen in der Woche fertiggestellt hatten. Etwa 50 Personen feierten dann gemeinsam mit den Teilnehmern das Erreichte mit einem kleinen Umtrunk. Abends wurde dann gemeinsam mit den Radfahrern in Pont-à-Mousson gefeiert, die am Freitag ihre Abschiedsparty hielten und alle Jugendlichen dazu eingeladen hatten; dort waren wieder alle französischen und deutschen Partytiger gefragt. Leider ging es schon am nächsten Morgen in der Früh zurück nach Deutschland. Nach einer tränenreichen Verabschiedung von den Freunden und Gastfamilien verbrachten die Jugendlichen den Vormittag in Metz, bevor es dann zum Zug ging.

„Ich freue mich, dass wir dieses Jahr wieder eine solche Fahrt machen konnten, obwohl es dieses Jahr keine Förderung von der Europäischen Union gab“, so Valentin Haase vom Traunreuter Jugendzentrum. „Die Unterstützung der Stadt und des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums für diese Fahrt war immer da und ich freue mich über die tolle Truppe, die dieses Jahr mitgefahren ist. Kein einziger hat die Fahrt bereut und gerne würden alle nächstes Jahr wieder mitfahren.“ Auch Philippe Dourtes von der ALHIMIC sagt etwas Ähnliches: „Die Arbeit der deutsch-französischen Gruppe hat wieder sehr gut geklappt und ich hoffe, dass wir es nächstes Jahr wiederholen.“

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